Von Minijob zu Vollzeit – welche Meldungen sind richtig?

By | September 30, 2021
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Meldungen zur Sozialversicherung gehören zu den wichtigen Aufgaben eines Arbeitgebers. Durch die Meldungen übermitteln Arbeitgeber Angaben zu ihren Arbeitnehmern und deren Beschäftigung an die Sozialversicherungsträger. Welche Meldungen abzugeben sind, wenn aus einem Minijob beim gleichen Arbeitgeber eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wird, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

Warum der Minijob der richtige Einstieg sein kann

Nicht immer ist es möglich nach einer Erwerbslosigkeit oder einer Elternzeit direkt wieder in Vollzeit arbeiten zu gehen. Auch eine “klassische” Teilzeitarbeit ist oft noch nicht machbar. Minijobs können hier der Einstieg in den Arbeitsmarkt sein.

Die Beschäftigten lernen durch einen Minijob den Arbeitgeber und das Arbeitsumfeld kennen. Auch für den Arbeitgeber bietet ein solcher Einstieg Vorteile: Besetzt der Arbeitgeber später eine Vollzeitstelle neu, kennt er bereits den Minijobber und dessen Qualitäten. Er muss nicht lange nach geeigneten Bewerbern suchen und spart Zeit und Kosten für die Einarbeitung. In Absprache zwischen Arbeitgeber und Minijobber kann die Arbeitszeit Schritt für Schritt erweitert werden, bis aus dem Minijob eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung geworden ist.

Änderungen in der Sozialversicherung

Steigen die Arbeitszeit und der monatliche Verdienst tritt nicht unbedingt eine Änderung im Arbeitsverhältnis ein. Im Bereich der Sozialversicherung ist jedoch einiges zu beachten.

War der 450-Euro-Minijob zuvor versicherungsfrei (außer in der Rentenversicherung, wenn der Beschäftigte keinen Befreiungsantrag gestellt hat), ist die Beschäftigung in Vollzeit oder Teilzeit in der Regel in allen Sozialversicherungszweigen versicherungspflichtig. Das heißt, nach dem Wechsel sind Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung, Pflegeversicherung, zur Rentenversicherung und zur Arbeitsförderung zu zahlen. 

Personengruppenschlüssel und Beitragsgruppenschlüssel

In der Sozialversicherung gelten bestimmte Schlüsselzahlen, die bei Meldungen zur Sozialversicherung eingegeben werden müssen. Durch den Wechsel von einem Minijob in einen Vollzeit- oder Teilzeit-Job ändern sich diese.

Für 450-Euro-Minijobber gilt der Personengruppenschlüssel “109“. Mit diesem werden die Arbeitnehmer bei der Minijob-Zentrale angemeldet. Dabei gelten in der Regel die Beitragsgruppenschlüssel “6500” oder “6100”. 

Krankenversicherung Rentenversicherung Arbeitsförderung Pflegeversicherung
6 = Pauschalbeitrag 5 = Pauschalbeitrag 0 = kein Beitrag 0 = kein Beitrag
1 = voller Beitrag bei Versicherungspflicht in der Rentenversicherung

Tipp:

Eine Übersicht über die für geringfügig Beschäftigte wichtigen Schlüsselzahlen finden Sie auf unserer >> Internetseite.

Für versicherungspflichtige Arbeitnehmer gilt meistens der Personengruppenschlüssel “101” und der Beitragsgruppenschlüssel “1111”. Mit diesen Schlüsseln werden die Arbeitnehmer bei der gesetzlichen Krankenkasse angemeldet. 

Krankenversicherung Rentenversicherung Arbeitsförderung Pflegeversicherung
1 = allgemeiner Beitrag 1 = voller Beitrag 1 = voller Beitrag 1 = voller Beitrag

TIPP:

Eine vollständige Übersicht finden Sie im Gemeinsamen Rundschreiben zum Meldeverfahren auf der Internetseite GKV-Datenaustausch.

Meldung wegen Wechsel der Einzugsstelle

Der Arbeitgeber hat den Wechsel in eine versicherungspflichtige Beschäftigung (in Vollzeit oder Teilzeit) an die Sozialversicherungsträger zu melden.

Die geringfügige Beschäftigung wird mit Meldegrund 31 (Abmeldung wegen Einzugsstellenwechsel) bei der Minijob-Zentrale abgemeldet. Darauf folgt die Anmeldung bei der gesetzlichen Krankenkasse des Arbeitnehmers mit Meldegrund 11 (Anmeldung wegen Einzugsstellenwechsel). 

Beispiel:

Ein Minijobber beginnt zum 1. Juni einen neuen Job bei einem neuen Arbeitgeber. Der Verdienst beträgt 450 Euro pro Monat. In der Rentenversicherung besteht Versicherungspflicht, denn der Arbeitnehmer stellt beim Arbeitgeber keinen Befreiungsantrag. Zum 1. Oktober vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Erhöhung der Arbeitszeit und das monatliche Arbeitsentgelt steigt auf 900 Euro. Aus der geringfügigen Beschäftigung wird somit beim selben Arbeitgeber ein Midijob. Der Arbeitnehmer ist jedoch bei Zahlung von reduzierten Beiträgen voll versicherungspflichtig.

Der Arbeitgeber gibt folgende Meldungen ab:

Abmeldung des Minijobs bei der Minijob-Zentrale
Meldegrund 31
Meldezeitraum 1. Juni bis 30. September
Personengruppe 109
Beitragsgruppen 6 1 0 0
Meldeentgelt 1.800 Euro (= 4 Monate x 450 Euro)
Anmeldung bei der Krankenkasse des Arbeitnehmers
Meldegrund 11
Beginn 1. Oktober
Personengruppe 101
Beitragsgruppe 1 1 1 1

Bei einem Entgelt in Höhe von 900 Euro pro Monat müssen bei der Berechnung der Beiträge Besonderheiten berücksichtigt werden. Mehr Infos zur Beitragsberechnung bei einem Midijob (Übergangsbereich, ehemals Gleitzone) finden Sie hier.

Hinweis:

Die Meldegründe 31 und 11 sind auch zu verwenden, wenn die versicherungspflichtige Beschäftigung bei der Krankenkasse KNAPPSCHAFT angemeldet wird. Obwohl Minijob-Zentrale und KNAPPSCHAFT mit der 980 0000 6 die gleiche Einzugsstellennummer haben, ist auch hier der Meldegrund ‘Einzugsstellenwechsel’ zu nutzen.

Meldefrist

Die Abmeldung bei der Minijob-Zentrale und die Anmeldung bei der Krankenkasse sollten bei der nächsten Gehaltsabrechnung erfolgen. Spätestens jedoch 6 Wochen nach dem Wechsel im Beschäftigungsverhältnis muss die Meldung erledigt sein.

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Quelle: Minijob Zentrale

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